Das Wirtschaftssystem der Nationalsozialisten 1933-1939

Steuerung durch emergente Organisation und Politische Prozesse

Cover

Weder Planwirtschaft noch Marktwirtschaft, weder Befehlswirtschaft noch Monopolwirtschaft und doch eine Mischung aus allem war das Wirtschaftssystem der Nationalsozialisten. Die vorliegende neue Interpretation des NS-Wirtschaftssystems bietet ein neues, stringentes Erklärungsmodell für die seit Jahrzehnten umstrittene Frage, wie ein so inhomogenes, diffuses Wirtschaftssystem eine so bemerkenswerte Leistungsfähigkeit in der Konjunktur-, Beschäftigungs- und Kriegsrüstungspolitik erreichen konnte: Die Machthaber waren in ständiger Organisationstätigkeit. Sie schufen Großorganisationen wie den Reichsnährstand, die Deutsche Arbeitsfront und den Vierjahresplan und änderten durch „ad hoc“-Interventionen und zahlreiche Bürokratisierungs- und Lenkungsmaßnahmen die Wirtschaftsordnung grundlegend. Ziel war die Vorbereitung eines rassistischen Eroberungs- und Vernichtungskrieges. Die Maßnahmen besaßen ein spezifisches
Muster: Wichtige Entscheidungen wurden im Zuge „Politischer Prozesse“ getroffen, d.h. durch Machtkämpfe hinter den Kulissen. Wie die Organisationstätigkeit verliefen sie „emergent“, die Strategien waren weniger planvoll als aus Augenblick und Gelegenheit geboren. Den Nährboden dafür bildete eine grundlegende Umwälzung der gesellschaftlichen Kultur. Es entstand eine „Kultur des Krieges“, eine grundlegende Veränderung der überkommenen Normen und Werte. Diese Charakteristika des NS-Wirtschaftssystems lassen sich als spezifisch nationalsozialistische „Steuerung durch emergente Organisation und Politische Prozesse“ begreifen und – so die Quintessenz des Buches – auf das ganze NS-Herrschaftssystem übertragen.

Stimmen zum Buch:

„…der Autor hat einen interessanten Versuch vorgelegt, die Funktionsweise des NS-Wirtschaftssystems zu charakterisieren. Seine Vorschläge sollten – auch im Vergleich mit anderen Wirtschaftssystemen – weiter diskutiert werden.“

André Steiner, VSWG

„Der interdisziplinäre Ansatz erscheint eigenwillig, führt aber zu Ergebnissen, deren Deutungskraft auf das gesamte NS-System ausstrahlt. Seine Thesen belegt Prollius mit kenntnisreichen Details.“
Harald Loch, FTD

Inhaltsverzeichnis

  • 1. Einleitung
    • 1.1 Problemstellung
    • 1.2 Forschungsstand
    • 1.3 Lösungsansatz
  • 2. Erkenntnisobjekt: Das Wirtschaftssystem aus der Perspektive der Systemtheorie
    • 2.1 Zum Systembegriff
    • 2.2 Systembildung
    • 2.3 Begriffliche Abgrenzung
    • 2.4 Zusammenfassung und Erweiterung
  • 3. Entstehung und Ausgangslage: Weimarer Krisenwirtschaft und NS-Kriegswirtschaft – wirtschaftliche Destabilisierung und autoritäre Erstarrung als Vorstufe nationalsozialistischer Transformation
    • 3.1 Staat(s)- und Wirtschaft(skrise)
    • 3.2 Konzentration und Fragmentierung
    • 3.3 Wirtschaftspolitik – Zwangslagen und Handlungsspielräume
    • 3.4 Bewertung der wirtschaftspolitischen Lage zur Zeit der Machtergreifung
  • 4. Arbeitsmodell: Erklärungsansätze für die Entwicklung und Funktionsweise des Wirtschaftssystems der Nationalsozialisten
    • 4.1 Voraussetzung: Die Organisationskultur der Nationalsozialisten – eine fundamentale Transformation der bestehenden Ordnung
      • 4.1.1 Basisannahmen: Die Vision einer gewollten Ordnung – allgemeine und wirtschaftspolitische Aspekte der NS-Ideologie politischer Zielsetzungen und Entscheidungen
      • 4.1.3 Symbolische Charakteristika einer Organisationskultur der Nationalsozialisten
      • 4.1.4 Bewertung
    • 4.2 Analyserahmen: Der moderne Managementprozess als Steuerungsperspektive – Organisation als Steuerungsmittel der Nationalsozialisten
    • 4.3 Entscheidungen: Politische Prozesse als Koordinationsprinzip
    • 4.4 Entwicklungen: Emergenz als System- und Strategiemerkmal
    • 4.5 Evaluation: Organisation(en), Prozesse und emergente Steuerungsperspektive
      • 4.5.1 Exkurs: Versöhnung von Struktur und Handlung
  • 5. Organisation – Elemente des Wirtschaftssystems der Nationalsozialisten: Organisation(en) in planloser Polykratie?
    • 5.1 Das Reichswirtschaftsministerium und die gewerbliche Wirtschaft
    • 5.2 Die Organisationen der kriegswirtschaftlichen Vorbereitung
    • 5.3 Der Reichsnährstand
    • 5.4 Die Deutsche Arbeitsfront
    • 5.5 Der Vierjahresplan
    • 5.6 Bewertung
  • 6. Organisieren – Abläufe und Interdependenzen des Wirtschaftssystems der Nationalsozialisten: emergente Organisation durch umfassende Interventionen und Lenkung ohne Plan
    • 6.1 Rahmenordnung – die Organisation der Wirtschaftsverfassung
    • 6.2 Märkte – die Organisation des Arbeits- und des Agrarmarktes
    • 6.3 Gruppen – die Organisation der Unternehmer
    • 6.4 Regionen – die Organisation regionaler Subsysteme
    • 6.5 Bewertung
  • 7. Resümee
    • 7.1 Das Wirtschaftssystem der Nationalsozialisten im Licht der Struktur und der Funktionsprinzipien des Arbeitsmodells
    • 7.2 Das Wirtschaftssystem der Nationalsozialisten als Modellfall nationalsozialistischer Herrschaft
  • Anhang
  • Abbildungsverzeichnis
  • Abkürzungsverzeichnis
  • Glossar
  • Literaturverzeichnis

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Das Buch ist 2003 erschienen bei Schöningh Verlag, Paderborn. Sie können es online bestellen, u.a. bei: